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Das ist ein Signal: Ein passiver Indexfond schlägt die Elite der aktiven Hedgefonds über einen 10 Jahreszeitraum

Juli 2017 Wichtige Geschehnisse ereignen sich und wenige nehmen Notiz. Vielleicht weil die Nachricht für die das Investoren-Universum unbequem ist. Wir lesen den 2016er Geschäftsbericht von Berkshire Hathaway, Omaha, Nebraska, USA und finden Bemerkenswertes. Die Fakten: im 9 Jahreszeitraum 1.1.2008 bis 31.12.2016 hat ein nur mit niedrigen Gebühren belasteter passiver Index Fund auf den S&P 500 (Vanguard 500, VFIAX) insgesamt 84% Wertsteigerung erfahren ...

Juli 2017

Wichtige Geschehnisse ereignen sich und wenige nehmen Notiz. Vielleicht weil die Nachricht für die das Investoren-Universum unbequem ist. Wir lesen den 2016er Geschäftsbericht von Berkshire Hathaway Inc., Omaha, Nebraska, USA und finden Bemerkenswertes.

Die Fakten: im 9 Jahreszeitraum 1.1.2008 bis 31.12.2016 hat ein mit nur niedrigen Gebühren belasteter passiver Index Fond auf den S&P 500 (Vanguard 500, VFIAX) insgesamt 84% Wertsteigerung erfahren (7,1% p.a.). Ein dazu in Wettbewerb gesetzter “fund-of-fund” Hedgefond, der fünf aktiv geführte Elite-Hedgefonds aggregiert, jedoch nur 22% (2,2% p.a.). Hintergrund ist eine Wette über einen 10 Jahreszeitraum zwischen Investorenlegende Warren Buffet und Hedgefond-Manager Ted Seides (Protégé Partners), durchgeführt über die Long Now Foundation, San Francisco (näheres über www.longbets.org). Die Wette wird zwar erst zum 31.12.2017 auslaufen, aber über deren Ausgang scheint bereits heute kein Zweifel mehr zu bestehen: Warren Buffet gewinnt und der Wett-Einsatz von US$ 1 Million geht an die gemeinnützige Organisation Girls Inc. of Omaha (www.girlsincomaha.org).

Was bedeutet dies? Sinngemäß zusammen gefasst unterteilt Mr. Buffet die Investorenlandschaft in 2 Segmente. Die Einen investieren in passive Instrumente, die den Aktienmarkt so gut als möglich abbilden, die Anderen in aktive Investment Professionals, die einzelne Anlagen auswählen und „long“ (Kauf) oder „short“ (Verkauf) Strategien verfolgen. Wenn die Ersteren per Definition durchschnittliche Resultate erbringen, dann gebietet die Logik, daß die Letzteren – aggregiert – ebenfalls durchschnittliche Resultate erzielen. Die wenigen aktiven Outperformer werden also durch die Masse der aktiven Minderleister neutralisiert. Wenn beide Segmente aggregiert aber die gleiche durchschnittliche Anlagerendite aufweisen, dann muss das Segment mit den niedrigeren Kosten die höhere Investorenrendite erzielen. Logisch, oder? Für dieses Analyseergebnis gibt es eine Reihe von Ursachen. So bestehen zum Beispiel nur sehr geringe Chancen langfristig erfolgreiche Hedgefond-Manager zu identifizieren. Zusätzlich gibt es systemische Ursachen für die Minderleistung der aktiven Fondmanager, wie z.B. der Anreiz zu immer größeren Fonds mit höheren absoluten Gebühren und nachgewiesenermaßen schlechterer Anlageleistung aufgrund negativer Skaleneffekte.

Die zentralen Erkenntnisse von Warren Buffet sind:

  1. Aggregiert scheint der öffentliche Markt für Unternehmensbeteiligungen (= Markt für börsennotierte Aktien) pro Jahr über 7% Wertsteigerung zu erfahren und dies über einen langen Zeitraum in dem katastrophale Jahre (2008) wie gute Jahre (2013) enthalten sind. 7% p.a. bewirkt eine Verdopplung des eingesetzten Kapitals in 10 Jahren.
  2. Über einen längeren Zeitraum rechnen sich „short“ oder „long/short“ Strategien nicht, da diese ein erfolgreiches „market timing“ voraussetzen. „Market timing“-Strategien sind jedoch aufgrund unregelmäßig (=zufällig) auftretender Ereignisse mit hoher Volatilität langfristig nicht erfolgreich.
  3. Eine systematische Identifikation und Auswahl von erfolgreichen aktiven Investment Professionals ist unmöglich – denn Erfolg wird im Nachhinein beurteilt, aber die Auswahl findet Zukunftsbezogen statt. Es gibt keine zuverlässigen Kriterien um zufälligen Erfolg von nachhaltigem Können zu unterscheiden.
  4. Die geringsten Kosten im Investitionsprozess geben den Ausschlag. Fortlaufende Gebühren fressen Erträge auf. Dieser Nachteil von aktiven Fondmanagern gegenüber passiven Instrumenten wächst über die Zeit und wird uneinholbar.

Alle Details unter: (http://www.berkshirehathaway.com/letters/letters.html)

Interessant ist, daß durch diese Wette klargestellt wird wie man nachhaltig erfolgreich in den Aktienmarkt investiert: ausschließlich „long“ und entweder zu niedrigsten Kosten in einen breiten Index wie z.B. in den S&P 500. Oder direkt in Aktien einzelner, sorgfältig ausgewählter Unternehmen – wenn man sich dazu Kraft eigener Kompetenz in der Lage sieht und das eingesetzte Kapital im Vergleich zum Handelsvolumen relativ zu klein ist um eigene Kursbewegungen zu verursachen.

Solche einfachen und klaren Regeln wurden für die pre-IPO Märkte, also für Anteile von noch nicht börsennotierten Unternehmen wie z.B. für privat gehaltenes Eigenkapital von Mittelstandsunternehmen (Private Equity) und für Geschäftsanteile von Start-Ups (Venture Capital) bisher nicht formuliert. Noch nicht?